tierschutzverein-gluecksfellchen-foto-maike-helbig-fuer-bettina-bergwelt-www.misterspencer.de

Hoffnung für Straßenhunde: Die Tierretter vom Verein „Glücksfellchen“

Samstag Nachmittag. Eine Tankstelle an der A7 bei Hildesheim. Vierzehn Menschen warten auf einen Lieferwagen. Treten von einem Bein aufs andere. Kneten ihre Finger. Einige haben Leinen und Halsbänder dabei. Für ihre neuen Familienmitglieder. Der unscheinbare weiße Transporter kommt aus Rumänien. „Live Animals“ steht an den Scheiben. Für die 30 Hunde an Bord ist es die Fahrt in ein besseres Leben. Organisiert hat diese Rettungsaktion der Verein „Glücksfellchen“ aus der Wedemark bei Hannover.

Fast jede Woche holen die ehrenamtlichen Helfer Straßenhunde nach Deutschland. Vermitteln sie an Tierfreunde, die ihnen ein liebevolles Zuhause geben. In Deutschland, Österreich, der Schweiz und Großbritannien.

Marita Lilienthal hat den Verein 2014 gegründet. Sie hatte damals ihren ersten Hund adoptiert. Lilli kam aus Rumänien. „Wir hatten sie über Facebook gefunden und ich habe mich dann auch sehr für Lillis Herkunftsland und die Situation dort interessiert.“

tierschutzverein-gluecksfellchen-foto-maike-helbig-fuer-bettina-bergwelt-www.misterspencer.de

Marita Lilienthal mit Foxy Foto: Maike Helbig

Wenige Monate später waren die Zeitungen voll von Horror-Meldungen aus Rumänien. Über Massen-Tötungen von Hunden. Angeblich, weil sie ein Kind angefallen hätten. „Das stellte sich aber als falsch heraus. Die Behörden hatten wohl nur einen Vorwand gesucht, um Straßenhunde zu entsorgen. Als wir aber mitbekommen haben, dass sie Hunde dort wirklich abschlachten, mussten wir einfach etwas tun!“

Marita informierte sich zunächst bei Tierschützern in Bukarest. Und fuhr dann gemeinsam mit einer Freundin quer durchs Land. Sie besuchten in Smeura das größte Tierheim der Welt. Und an der Grenze zu Ungarn ein Hilfsprojekt für Straßenhunde. Ein sogenanntes „Open Shelter“, bei dem nicht vermittelbare Tiere frei und geschützt im Rudel zusammen leben und betreut werden.

tierschutzverein-gluecksfellchen-foto-maike-helbig-fuer-bettina-bergwelt-www.misterspencer.de

Foto: Maike Helbig

„Das ist auch unsere Philosophie, wirklich viele Hunde aufzunehmen und denen ein artgerechtes Leben vor Ort zu ermöglichen“, sagt Marita. „Also nicht unbedingt alle Hunde nach Deutschland zu bringen, egal wie ängstlich und problematisch sie sind. Daran ist uns nicht gelegen. Wir wollen diesen Tieren dort unten ein gutes Zuhause schaffen. Und anderen, die gut sozialisiert sind, auch bei uns in Deutschland ein neues Leben ermöglichen.“

Fahrer Marius öffnet die Türen des Hunde-Transporters. Ein eigenwilliger, süßlicher Geruch verbreitet sich. Wie ein schweres, pudriges Parfum. „Ich liebe diesen Duft“, sagt Stefanie Lach von den Glücksfellchen. „Das ist ein Desinfektionsmittel, mit dem die Boxen gereinigt werden, bevor die Hunde darin auf die Reise zu uns gehen.“

Die Hunde liegen ruhig in ihren Transportboxen. Kein Gejaule, kein Gebelle, keine Hektik. Und das nach 15 Stunden auf engstem Raum im Lieferwagen. „Die Fahrer machen regelmäßig Pause. Sie reinigen alle Boxen, lüften den Transporter, füttern die Hunde und geben ihnen frisches Wasser“, erklärt Stefanie. Jetzt gucken die Hunde neugierig auf die wartenden Menschen vor ihrer Tür. Stecken ihre Nasen durch die Gitterstäbe. Und wedeln.

„Wir vermitteln die Hunde auf zwei Wegen“, sagt Stefanie. „Direkt an die neuen Besitzer oder über Paten-Familien. Nicht jeder Hund lässt sich sofort vermitteln, weil er vielleicht optisch nicht gleich ins Auge springt oder weil Interessenten ihn auch erst einmal kennenlernen möchten. Damit sie sehen, ob er in die Familie passt, Kinder mag oder sich mit einem schon vorhandenen Haustier verträgt. Uns ist es nicht wichtig, dass ein Hund schnell vermittelt wird. Wir haben alle Zeit und die nehmen wir uns auch. Der Hund steht im Fokus, nicht die Vermittlung, das ist ganz wichtig!“

Wer einen Hund über den Verein Glücksfellchen adoptieren möchte, wird auf Herz und Nieren überprüft: Vorgespräch, Fragebogen, Eignungstest. „Wir gehen da keine Kompromisse ein“, erklärt Stefanie. „Die Hunde haben genug durchgemacht. Wir haben die Verantwortung, dass sie jetzt ein schönes Leben bekommen. Wir verlassen uns deshalb nicht nur auf die Selbstauskunft. Alle Bewerber werden auch zu Hause besucht.“

Die neuen Hunde-Besitzer in Hildesheim drängen sich um den Transporter. Cristina öffnet die erste Transportbox und nimmt eine schüchterne Mischlings-Hündin auf den Arm – Eliza.

Straßenhunde sind wie Welpen. Müssen noch viel lernen. Stubenreinheit, Hundeleine, Kommandos. „Allein in einem Haus zu wohnen, ist für sie am Anfang schon sehr ungewohnt“, sagt Stefanie. „Wenn wir merken, dass ein Hund noch etwas ängstlich ist, aber durchaus bei Menschen sein möchte, kommt er erstmal in eine Pflege-Familie. Denn wir möchten natürlich nicht, dass er nach drei Tagen wieder zurückgegeben wird.“

tierschutzverein-gluecksfellchen-foto-maike-helbig-fuer-bettina-bergwelt-www.misterspencer.de

Foto: Maike Helbig

Wer sich auf Straßenhunde einlässt, kann viel mit ihnen erreichen. Marita: „Weil sie einfach total intelligent sind. Die mussten gewieft sein, um an Essen zu kommen. Mussten sich durchsetzen, selbst klar kommen und Ideen haben, um zu überleben. Das merkt man ganz schnell, wenn man mit ihnen arbeitet. Die lernen richtig gut! Und an ihr neues Leben hier bei uns gewöhnen sie sich ganz schnell. Nach einer Woche wollen sie nie wieder etwas anderes…“

Bossey ist der nächste. Ein völlig anderer Hund. Aufgeweckt und hoch erfreut. Leckt zur Begrüßung jedem übers Gesicht. Cristina überprüft seine Registriernummer. „Alle Hunde sind gechipt, geimpft und entwurmt, wenn sie hier ankommen“, erklärt Stefanie. „Und natürlich haben sie sämtliche Papiere.“ Bossey hat noch keine neue Familie gefunden. Er geht als Pflegehund erst einmal mit Stefanie nach Hause.

Wenn Bossey irgendwann ein neues Zuhause gefunden hat, zahlt der Besitzer eine Vermittlungs-Gebühr. Unterbringung, Betreuung, Verpflegung, Reisekosten und tierärztliche Versorgung sind teuer. „Die Gebühren decken natürlich nur einen kleinen Teil unserer Unkosten“, erklärt Marita. „Wir versuchen, über Patenschaften und Spenden unseren Verein zu finanzieren. Das ist schon eine große Herausforderung. Wir freuen uns über jeden, der die Glücksfellchen unterstützt!“

tierschutzverein-gluecksfellchen-foto-maike-helbig-fuer-bettina-bergwelt-www.misterspencer.de

Foto: Maike Helbig

Die Hunde in Hildesheim haben ihre neuen Familien gefunden. Cristina schließt die Türen des weißen Transporters. Dahinter sitzen noch einige vierbeinige Passagiere. Sie werden von den Tierschützern zum nächsten Treffpunkt gebracht. Wo wieder aufgeregte Menschen mit Leinen in der Hand warten. Und den Straßenhunden aus Rumänien ein besseres Leben bieten möchten. Möchtet ihr wissen, wie es mit Bossey und den anderen Glücksfellchen weiter gegangen ist? Wie sie sich entwickelt haben? Wir haben sie bei einem ausgiebigen Spaziergang wieder getroffen!

Wer mehr über den Verein Glücksfellchen erfahren möchte, findet alle wichtigen Informationen auf der Website und auf Facebook

No Comments

Post a Comment