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Von Schattenschläfern und Sonnenanbetern: Wie kommen Hunde mit der Hitze klar?

Was für ein wundervoller Sommer! Jedenfalls, wenn man nicht im Pelz durch die Gegend laufen muss… Hitze mag Spencer überhaupt nicht. Sobald das Thermometer steigt, verkrümelt er sich in den Schatten. Spielen? Keine Lust! Schlafen und Essen reichen ihm offenbar völlig… 

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Foto: Maike Helbig

Deshalb geht es jetzt am Morgen auch immer besonders früh raus – wenn’s noch einigermaßen kühl ist. Der Mittagsgang ist minutenschnell erledigt – falls sich unser älterer Herr überhaupt dazu aufraffen kann;-) Erst am späten Abend wird Spencer wieder aktiver. Und ich frage mich: Langweilt sich mein Hund den größten Teil des Tages? Wie kann ich ihn beschäftigen? Und möchte er das überhaupt? 

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Foto: Maike Helbig

Ich kenne auch das komplette Gegenteil von Spencer. Sehe die vierbeinigen Supersportler in der Mittagshitze neben dem Fahrrad laufen. Meist mit hängender Zunge zwischen den Vorderpfoten. Und dann gibt es da auch noch die gemütlichen Sonnenanbeter wie Spencers Fox-Terrier-Freundin Annie. Sie ist immer die erste auf dem Liegestuhl. Rollt sich wohlig über den heißen Terrassenboden oder zieht bei brütender Hitze begeistert ein paar Bahnen im Schwimmbecken. Für Spencer undenkbar!

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Fotos: Maike Helbig

Wie viel Sommer kann man seinem Hund denn nun zumuten? Darüber habe ich mich mit Tierärztin Carolin Bauer unterhalten:

Ab wann werden Wärme oder Hitze für einen Hund zur Belastung?

Das ist sehr unterschiedlich. Hunde haben – genau wie wir Menschen – ein sehr individuelles Wärmeempfinden. Jüngere Tiere kommen in der Regel besser mit extremen Temperaturen klar als ältere Artgenossen. Sie haben meist einen stabileren Kreislauf und können Wärme besser kompensieren. Auch Rassemerkmale wie zum Beispiel eine ausgeprägte Unterwolle beim Husky oder die Brachycephalie (Kurzköpfigkeit) bei z.B. Mops oder Französischer Bulldogge spielen bei der Hitzetoleranz eine Rolle. Ebenso die Herkunftsländer. Das alles kann beeinflussen, wie gut Hunde Wärme vertragen. 

Wie gehen Hunde mit der Hitze um? Wie kühlen sie ihren Körper ab?

Hunde hecheln vermehrt bei Hitze. Außerdem können sie an den Pfoten schwitzen. Viele Hunde suchen zur Kühlung Fliesen als Liegeplätze auf. Generell kann man sagen, dass sich Hunde bei Wärme weniger bewegen und längere Ruhepausen in den Alltag einbauen.

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Fotos: Maike Helbig

Also ist es in Ordnung, wenn Hunde fast den ganzen Tag verschlafen?

Hunde haben ein sehr viel größeres Schlafbedürfnis als der Mensch. Gerade bei Hitze schonen sich viele Hunde noch mehr. Das stellt einen natürlichen Schutzmechanismus des Körpers dar. Vermehrtes Schlafen ist somit nicht bedenklich. Wenn Besitzer ihren Liebling bei Hitze aber beschäftigen möchten, dann sollte man den Hund besser mit geistigen Aktivitäten auslasten, etwa mit Such- und Schnüffelspielen oder kleinen Tricks, anstatt mit körperlicher Betätigung.

Woran erkenne ich, ob mein Hund mit dem Wetter Probleme hat – oder sogar ein Hitzschlag droht?

Ist der Hund sehr matt und träge oder möchte er die normale Gassi-Runde abkürzen, sind das Signale, dass das Tier mit den Temperaturen nicht gut zurecht kommt. Extremes Hecheln, Bewegungsunlust, Futterverweigerung, Kreislaufschwäche oder Zittern können Vorboten oder Anzeichen eines drohenden Hitzschlags sein. Bei einem Hitzschlag kann der Hund die Normalkörpertemperatur (bis etwa 39,2°C) nicht mehr aufrecht erhalten. Sie steigt weit darüber an. Die Symptome sind vielfältig: unter anderem Taumeln, trockene Schleimhäute, Erbrechen, sehr starkes Hecheln, Herz-Rhythmus-Störungen oder sogar Bewusstseinsverlust.

Was muss ich tun, wenn ich glaube, der Hund hat ein Hitzschlag?

Ein Hitzschlag ist immer ein absoluter Notfall und sollte unverzüglich von einem Tierarzt behandelt werden. Bis zum Eintreffen in der Praxis kann man den Körper des Hundes mit nassen, kühlen Tüchern bedecken und dem Tier, wenn es bei Bewusstsein ist, Wasser anbieten.

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Foto: Maike Helbig

Soll ich meinen Hund also vorsichtshalber immer aus der Sonne nehmen?

Nicht unbedingt. Einige Hunde sind richtige Sonnenanbeter und legen sich selbst bei ausreichend Schatten in die pralle Sonne. Wird es dem Hund zu warm, legt er sich in der Regel von sich aus in den Schatten. Wenn der Hund sich sonnt, sollte man ihn trotzdem im Auge behalten.

Was kann ich tun, damit der Hund nicht überhitzt und den Sommer trotzdem genießen kann?

Längere Spaziergänge sollte man als Besitzer auf die kühlen Morgen- und Abendstunden verlegen. Toben, zerren oder andere anstrengende und fordernde Spiele lieber aussetzen oder dafür ebenfalls die kühleren Tageszeiten nutzen. Mittags sind kleine Gassirunden absolut ausreichend, um den Hund nicht unnötig zu belasten. Eine Faustregel über die Dauer eines Spazierganges gibt es nicht. Jedoch fordern viele Hunde bei Wärme schon von sich aus weniger Bewegung ein. Beim Spazierengehen ist ein normales Tempo am besten. Auf Joggen oder das Laufen am Fahrrad sollte möglichst verzichtet werden. 

Und: Abkühlung ist bei Hitze wichtig. Wenn das Tier gerne schwimmen geht, ist das zum Beispiel optimal. Man sollte jedoch darauf achten, dass der Hund nicht direkt ins Wasser springt, sondern sich langsam an die kältere Temperatur gewöhnen kann, indem man zunächst nur in flaches Wasser geht. Auch Planschbecken, Rasensprenger oder Gartenschläuche sind gute Kühl-Möglichkeiten – solange das Tier dabei keinen Stress hat und sich freiwillig abduschen lässt. Auch kühle, nasse Handtücher können dem Tier bei Wärme helfen. Allerdings sollte sich der Hund dabei wohl fühlen und die Tücher tolerieren.

Hilft es, einen Hund bei diesem Wetter scheren lassen?

Generell ist es sicherlich hilfreich, seinen Hund regelmäßig zu bürsten, um überschüssiges, loses Fell und Unterwolle zu entfernen. Bei langhaarigen Hunden oder Hunden mit dichter Unterwolle, die sichtlich unter der Wärme leiden, kann es auch sinnvoll sein, das Fell zu kürzen bzw. die Unterwolle ausdünnen zu lassen. Das Deckhaar des Hund komplett zu scheren, ist nicht so günstig, weil dadurch die Schutzfunktion für die empfindliche Haut gestört werden kann.

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Foto: Maike Helbig

Kann ich meinem Hund ein Eis zur Abkühlung anbieten?

Normales Speiseeis sollte aufgrund des Zuckergehaltes lieber nicht gefüttert werden. Wenn der Hund Joghurt verträgt, kann man den auch einfrieren und als kühlen Snack anbieten. Das mögen viele Hunde gern.

Sollte ich bei der Hitze die Futterration reduzieren oder die Trinkmenge steigern?

Wenn es warm ist, fressen viele Hunde schon von sich aus weniger oder teilen sich die Mahlzeiten auf kleinere Mengen ein. (Spencer nicht:-) Sind Hunde eher verfressen und nehmen bei Hitze zu, weil die körperliche Aktivität fehlt, sollte die Futtermenge reduziert werden, bis das Idealgewicht wieder gehalten wird. In der Regel trinken Hunde genug, solange ihnen stets frisches Wasser zur Verfügung steht. Bei hohen Außentemperaturen haben Hunde ein größeres Trinkbedürfnis, so wie wir Menschen auch. Sollte tatsächlich der Fall eintreten, dass ein Hund zu wenig trinkt, kann man versuchen, Wasser zur Nahrung hinzuzufügen oder statt Trockenfutter Nassfutter zu geben.

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Foto: Maike Helbig

Kann mein Hund eigentlich einen klassischen Sonnenbrand bekommen? Muss ich ihn eincremen?

Durch ihr Fell sind Hunde sehr viel weniger anfällig für Sonnenbrand als der Mensch. Ist das Tier allerdings frisch geschoren worden, hat wenig oder sehr dünnes Fell, sollte man vorsichtig sein. Auch bestimmte Körperstellen, an denen wenige oder keine Haare wachsen – wie zum Beispiel Nase, Ohrränder oder die Leistengegend – sind empfindlicher. Eincremen muss man sein Tier trotzdem nicht. Aber man sollte immer darauf achten, dass genug Schattenplätze zur Verfügung stehen und die Mittagssonne gemieden wird. 

Aber er kann sich die Pfoten verbrennen, richtig?

Bei intensiver und langer Sonneneinstrahlung heizen sich Straßenbeläge enorm auf. Am besten testet man vorher einmal mit der Handfläche, ob der Weg zu heiß ist. Wenn man selbst schon nach kurzer Zeit die Hand wegziehen muss, ist es auch zu heiß für Hundepfoten. 

Jedes Jahr wieder: Hunde werden bei Hitze im Auto gelassen! Ab wann wird’s gefährlich? Und wie soll ich reagieren, wenn ich einen Hund bei Hitze in einem Auto sehe?

Bei direkter Sonneneinstrahlung heizen sich Autos extrem schnell auf. Bereits nach wenigen Minuten kann sich das Innere des Wagens auf bis zu 50°C und mehr erwärmen. Das bedeutet absolute Lebensgefahr für den Vierbeiner. Dabei hilft es auch nicht, wenn die Fenster einen Spalt breit offen gelassen werden oder vorher die Klimaanlage im Wagen lief. Auch beim Parken im Schatten heizen sich Autos auf, wenn auch nicht dermaßen schnell. Bemerkt man, dass ein Hund in einem Auto zurückgelassen wurde und der Fahrer nicht gefunden werden kann, sollte die Polizei gerufen werden. Gegebenenfalls wird das Fahrzeug dann von den Beamten geöffnet.

Sollte ich mit meinem Hund bei der Hitze besser überhaupt nicht Auto fahren? 

Autofahren bei Hitze ist eigentlich nicht gefährlich. Die meisten Autos haben ja eine Klimaanlage, die den Innenraum ausreichend kühlt. Auch das Öffnen der Fenster während der Fahrt kann helfen. Aber es sollte stets darauf geachtet werden, dass der Hund nicht im direkten Zug sitzt. So können zum Beispiel Bindehautentzündungen verhindert werden. Ist das Auto durch stundenlange Sonneneinstrahlung vor Fahrtbeginn extrem aufgeheizt, sollte die Klimaanlage das Wageninnere zunächst herabkühlen, bevor der Vierbeiner hineingesetzt wird. Findet man es selbst zu warm im Auto, ist es auch für den Hund zu warm und die Fahrt sollte, wenn möglich, verschoben werden.

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Foto: Privat

Vielen Dank an Tierärztin Carolin Bauer vom Zentrum für Kleintiermedizin ‚Vet Spezial‘ für das ausführliche Gespräche und die vielen Informationen!

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